Linda Leeb

Ankäufe von öffentlicher und privater Hand. 1985 Gewinn eines Wettbewerbs des Bundes und Ausführung verschiedener Großplastiken.
Seit 1974 Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland.
 
 
 
 
Die Bildhauerin und das Echo, einiges zum Werk von Linda Leeb
  
Wir sprechen von einer Bildhauerin. Es gibt Leute, die darin schon eine Begriffsverwirrung sehen. Sie meinen, daß das Handwerk dieser Kunst nur gestandene Mannsbilder zuläßt. Die Geschichte der Skulptur schein das auch zu bestätigen, zumindest in klassischen Zeiten, die keine weiblichen Protagonistinnen überliefern. Im 20. Jahrhundert hat sich das spürbar geändert. Voran steht die gewaltige Käthe Kollwitz, die den sprödesten Stoff bezwang und Werke von ergreifender Meschlichkeit schuf. Es folgten die raumbezwingende Barbara Hepworth, die Griechin Aglae Liberaki, die an den Réalités Nouvelles beteiligt war, Gudrun Krüger, die ihre Abstraktionen aus dem Pflanzlichen ableitete, Maria Juana Heras Velasco aus Santa Fé, die sich bei Lucio Fontana bildete, die Wienerin Day Schnabel, eine Meisterin der Bronze-Technik, die dann nach Paris und in die Vereinigten Staaten ging, Brigitte Meier-Denninghoff aus Berlin, deren kombinierte Stäbe seltsam reiselnde Strukturen bilden, Martha Pan mit Gebilden von einfacher Schönheit, Jocelyn Chewitt aus Kanada, die in Granit und Marmor werkte, Alicia Penalba aus Buenes Aires mit Figurationen von schlanker Schönheit, und die unvergleichliche Germaine Richier, deren Werke man wohl as die geheimnisvollsten Zeichen des modernen Daseins bezeichnen kann.
 
Kommen wir nun auf die Bildhauerin zurück, die uns zu diesem Exkurs verleitet hat. Sie heißt Linda Leeb. Sie ist eine Solistin wie viele der Frauen, die hier aufgezählt sind, weil sie, die fast alle zum Einzelgängertum neigen, sich in einer Rundschau gegenseitig bestätigen. Auch für Linda Leeb sind es die Namen von Ahnfrauen und Schwestern, die zuwinken, anregen und besiegeln. Auffallend ist die Gegensätzlichkeit, die zwischen der menschlichen Ausstrahlung dieser Künstlerinnen und der Ausstrahlung iher Werke besteht. Auch in dieser Hinsicht ist Linda Leeb von der Art dieser Frauen, die Anmut und Gefühl zeigen, wenn man sie anspricht, in ihren Werken aber entrückt erscheinen, ohne etwas von ihrer Herkunft zu verraten. Der Blickt maskiert die Dimension, der Stimmungswert wird zum Ereignis. Die Neigung zur Abstraktion ist musikalischer Art. Das Elegante ist nicht glatt, es hat das Kindliche wie die Bewegung der Schwäne.
 
Linda Leeb hat mit blockhafter Plastik in Stein begonnen, dem sie Gewicht und Ausdruck der Schwere beließ. Die Freude an der polierten Fläche ist unausgesprochene Freude an einer Plastik als Spiegel der Welt. Auch bei Martha Pan und Alicia Penalba finden sich solche Momente einer sich spiegelhaft verwandelnden Szene.
 
Später erscheinen die blockhaften Strukturen aufgeweicht und zeigen wellenförmige Oberflächen, die sich wie Schleier in der Luft bewegen. Die Skulptur gibt ihren denkmalhaften Anspruch auf; sie wird ätherisch und ergibt sich dem Tanz als neuem Element.
 
Wir haben von Frauen gesprochen, die in der plastischen Kunst ein Echo ausglöst haben. Echo ist eine bezaubender Nymphe der griechischen Mythologie. Auch Linda Leeb redet mit diesem Echo auf Du und Du.
 
Richard Rubinig

 
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